|
Wilhelm Josef Giebel Das Dreifaltige Himmelszelt im Entschlüsselten I-Ging 
Die Aufdeckung bislang unbekannter Strukturen des I-Ging, des Buches der Wandlungen, ist spannender als ein Kriminalfall, wenn der Autor auch nicht alle Rätsel lösen kann. Hier sind Leser gefragt. Der Wandel zeigt sich in Schöpfung, Erhaltung und ambivalenter Auflösung. Schöpfung ist die schenkende Hand des Himmels, denn ihre Hexagramme sind von positiver Vorbedeutung; Auflösung die strenge, denn die Hälfte ihrer Hexagramme ist von vorwiegend negativer Vorbedeutung. Sie ist aber auch die "andere Seite der Gnade", denn widriges Schicksal führt am ehesten zum DAO, dem unergründlichen Urgrund zurück, was "mehr wert ist als 1000 Wagenladungen Jade". Das I-Ging vermittelt praktische Lebensregeln, die höchsten Werte sind dabei Harmonie und Reinheit. Reinheit zu erhalten und wieder zu gewinnen, bedeutet Krankheiten und Unglücksfällen vorzubeugen. Das Weisheitsbuch stellt Jahreszeiten, Sinnbilder und überraschenderweise auch zwölf Sternbilder dar, wie den Dreibeinigen Roten Raben als Sinnbild der Sonne zur Zeit der Sommer-Sonnenwende. Sein Verschwinden und Wiedererscheinen in den alten Sternkarten gibt Auskunft darüber, wann das I-Ging in seiner heutigen Form entstanden ist.. Das Boot Tianchuan in der Milchstraße ist das Sternbild der Herbst-Tagundnachtgleiche.Es legt den Menschen nahe, ihr inneres Gleichgewicht zu wahren. Die beiden Hexagramm-Paare sowohl höchster Harmonie als auch höchster Reinheit stehen als Kreuz für die Verbindung zwischen Himmel und Erde und die Vervollkommenung. Das oben abgebildete Dreifaltige Himmelszelt wird von den 11 reinen Hexagramm-Paaren des Himmels gebildet. Es verkörpert die Kraft und die Macht eines Heiligen Ortes. Die sechs Hexagramm-Paare großer Reinheit symbolisieren den Umlauf der Erde um die Sonne und enthalten die Zahl des Umlaufs. Je mehr sich die Struktur des I-Ging dem Autor enthüllte, umso mehr wuchs sein Respekt vor dem Buch und seinen Schöpfern. | (Siehe auch I-Ging-Secrets.de, die Entschlüsselung des I-Ging in neuen Zusammenhängen)
Siehe auch: jotinshaikus.de Beweise dafür, dass die hier durchgeführte Entschlüsselung der Struktur des I-Ging "richtig" ist.(Die Stellung der Ordnungszahlen der Doppelzeichen, d.h. der Hexagramme, die aus zwei gleichen Trigrammen bestehen, findet ihre Erklärung. Die Hexagramme des I-Ging stellen zwölf Sternbilder da.) Das Trigramm Donner ist im Winterhalbjahr unten, im Sommerhalbjahr oben in den Hexagrammen zu finden. Den Tagundnachtgleichen entsprechen bei ihrer graphischen Darstellung im Kreis des "frühen Himmels" bevorzugt Waagerechten. Die Hexagramme der Sonnenwenden stellen bei ihrer graphischen Darstellung den Höchst- bzw. Tiefststand der Sonne anschaulich dar. Die Hexagramme der Jahreszeiten-Anfänge sind von vorwiegend positiver Vorbedeutung, die Hexagramme der Jahreszeiten-Ausklänge (Auflösung) dagegen zur Hälfte von vorwiegend negativer Vorbedeutung, die Hexagramme der... Der Dreifachstern der Harmonie - Fingerabdruck der I-Ging Struktur (Die Hexagramme des I-Ging stellen zwölf Sternbilder dar, wie z.B. den Dreibeinigen Roten Raben als Sternbild der Sommer-Sonnenwende und das Boot Tianchuan in der Milchstraße als Sternbild der Herbst-Tagundnachtgleiche.) Das Sternbild des Dreibeinigen Roten Raben, wahrscheinlich vom Ersten Kaiser als Emblem der vorangehenden Dynastie aus den Sternkarten entfernt, taucht erst in der Tang-Zeit wieder auf und liefert damit Hinweise auf die Zeit der Neuordnung des I-Ging Das Himmlische Boot Tianchuan in der Milchstraße (Die Himmelsscheibe von Nebra) - das Sternbild der Herbst-Tagundnachtgleiche, an dem sich Tag und Nacht wie ein fahrendes Boot im Gleichgewicht befinden. Orion - das Sternbild des weißen Tigers (Zu der Zeit, in der das Sternbild am Himmel heraufzog, stiegen die Tiger von den Bergen herab.
3. Aufteilung der Hexagramme auf die schöpferischen, erhaltenden und auflösenden Kräften des Kosmos (Siehe auch die Tabelle im Anhang!) 4. Die Hexagramm-Paare der Harmonie und Reinheit stellen bedeutende und heilige Symbole dar. 4.1 Das Dreifaltige Himmelszelt wird von den 11 "Reinen Hexagramm-Paaren des Himmels" gebildet - Vorbild für den Himmelstempel in Peking. (Reinheit war dem Himmel vorbehalten; die Erde galt nicht als rein.) Leseprobe zu dem Kapitel: 4.1 Das Dreifaltige Himmelszelt repräsentiert die Kraft und Macht eines Heiligen Ortes (Der Textauszug wurde etwas gekürzt.)
Siehe auch die Weblog-Seite vom 19.01.08: jotinshaikus.de !
Nach M. Granet hatten Embleme im alten China eine große Bedeutung, sei es als Diagramme, Zahlen oder in anderer Form. Das mythische Denken war seiner Auffassung nach von der Überzeugung durchdrungen, dass sich die Gegebenheiten durch Embleme in die Wirklichkeit rufen lassen.1 Wenn jede der drei Paargruppen der Hex. ein bedeutungsvolles für sie charakteristisches Emblem hervorbringt, wie z.B. die Doppelaxt, dann könnten die Hex. des I‑Ging vielleicht auch noch andere Embleme und Symbole darstellen, z.B. solche des Himmels und der Erde. Man musste nur die Merkmale der Hex. dieser verborgenen Embleme kennen. Der Gedanke, dass solche „Denkmäler“ existierten, ließ mich nicht mehr los. Wenn sie im I‑Ging verborgen waren, konnte ich sie vielleicht finden. Als erstes wollte ich nach einem Emblem des Himmels als Repräsentant des Dao suchen. Der höchsten Himmelsmacht haben die Menschen überall auf der Erde gehuldigt und sie auf vielfältige Weise dargestellt. „Die Heiligkeit des Himmels ist in zahllosen rituellen oder mythischen Komplexen ... gegenwärtig“, schreibt Mircea Eliade. „Sie bleibt durch den Symbolismus der „Höhe“, der „Auffahrt“, des „Zentrums“ usw. dem religiösen Erlebnis lebendig ...“ 2 Ich konnte nach einem Symbol für die Drei Reinen forschen. Diese sind die drei manifesten Formen des unergründlichen Dao, der Mutter und Ernährerin der Zehntausend Wesen. Als die höchsten und abstraktesten Gottheiten herrschen sie über den frühen Himmel. Beim großen Opferfest der Daoisten spielen sie im Tempel (auf Taiwan z.B.) auch heute noch die Hauptrolle. Ich konnte aber auch nach einem Emblem für einen Berg suchen. „Die Berge sind dem Himmel näher“, heißt es bei Eliade: „...Viele Mythologien haben ihren heiligen Berg ... Allen Himmelsgöttern waren auf Anhöhen Kult-Orte vorbehalten.“ (Das Himmelsopfer wurde vom chinesischen Kaiser auf einem Berg dargebracht.)...“3 Das Dao, der Himmel und die Drei Reinen sind Himmelsmächte, also sollten zu ihrer symbolischen Darstellung, falls es eine solche gibt, Hex. des Himmels und ihre Partnerinnen verwendet worden sein. Auf die paarweise Verwendung der Hex. ist meines Wissens nie verzichtet worden. Die Himmels-Hex. und ihre weiblichen Partnerinnen kannte ich. Das waren die Hex. der beiden Paargruppen Himmel/Erde und Himmel/Mensch, die linke, Gaben spendende und die rechte, strenge Hand des Himmels. Aber welche Eigenschaften mussten diese Hex. sonst noch aufweisen? Auf jeden Fall natürlich "Reinheit". Denn dies war die Eigenschaft des Himmels. Bei den Drei Reinen als den höchsten Repräsentanten des Himmels, sagt es ja schon der Name. In einem chinesischen Schöpfungsmythos heißt es: „Das Reine und Leichte wird oben der Himmel, das Trübe und Schwere wird unten die Erde.“ 4 "Reinheit" wird auch vom Daodejing (Ddj) mit dem Himmel und dem Dao in Verbindung gebracht... Es stellte sich die Frage, welche Hex. des Himmels als „rein“ galten. Was bedeutet in diesem Zusammenhang überhaupt „rein“?
Ich vertiefte mich in die alten Schriften und nach und nach wurde mir klar, dass diese Eigenschaft nach daoistischer und auch buddhistischer Auffassung beim Menschen offenbar dann vorliegt, "wenn er sein Herz wie einen Spiegel benutzt und den Dingen weder nach-, noch ihnen entgegengeht; er reflektiert, aber er bewahrt nicht auf..."
Gemäß Zhuangzi ist dies eine Eigenschaft des höchsten Menschen. Indem er sich so verhält, "vermag er die Dinge zu besiegen, ohne sie zu verletzen."5 Außerdem bleibt sein Herz rein und wird nicht von den Dingen der Welt befleckt, wie auch gesagt wurde. Der chinesische Mönch Han Shan, der im 16. Jahrhundert lebte und das Daodejing kommentiert hat, äußerte sich folgendermaßen hierzu: "Das Eintreten in den Weg (Dao) ist das Erwachen zum Wesen des Bewusstseins. Es ist ... rein“(!) Sitzen in Stille wandelt Herzen in Spiegel, die nichts festhalten. „Wenn man zu diesem Bewusstsein erwacht ist, dann sind ... alle Bereiche wie Bilder vor einem Spiegel. Was kommt, bleibt nicht haften, was geht, hinterlässt keine Spuren." 6
Die Frage war nun, welche Hex. verhalten sich wie ein Spiegel? Ich brauchte nicht lange zu überlegen. Das konnten nur die Hex.‑Paare sein, welche aus zwei gleichen Trigrammen in vertauschter Reihenfolge bestehen. Wenn sich diese beiden Hex. zu einem Paar vereinigen, dann stellt jeder der beiden Partner den anderen wie in einem Spiegel seitenverkehrt dar. Sie sind Spiegel- und damit im altchinesischen Sinn auch Reinheitspartner.
Insgesamt sind im I-Ging 28 dieser Hex.‑Paare enthalten. Wenn es um Dinge geht, die anderswo in der Welt passieren, dann ist es leicht, „sie wie ein Spiegel zu reflektieren und nicht aufzubewahren“. Um wirkliche „Reinheit“ im altchinesischen Sinn kann es sich nur handeln, schien mir, wenn es um die Spiegelung von Dingen geht, die einen selber oder die nähere Umgebung betreffen. Speziell der eigene Gewinn oder Verlust, Niedergang oder Aufstieg sollte sich „im Herzen des höchsten Menschen spiegeln, ohne dass er ihm nach- oder entgegengeht“.
In diesem Sinne „rein“ erschienen mir deshalb von den 28 Hex.‑Paaren nur diejenigen, die ihren Spiegelpartner in der gleichen Paargruppe Himmel/Erde, Himmel/Mensch oder auch Mensch/Erde haben. Das sind 14 Hex.‑Paare. Davon entfallen auf die Paargruppen Himmel/Erde 4 und Himmel/Mensch 7, insgesamt 11. ... Das Trigramm Wasser tritt in diesen Hex. am häufigsten auf, u.a. deshalb, weil für eine Reinigung, auch eine kultische, Wasser benötigt wird. „... Wasser hat eine sakrale Bedeutung und Weihefunktion7...“
Dass elf Hex.-Paare übrigblieben, ließ mich aufmerken, denn die 11 war im Alten China eine besondere Zahl. Es durften nicht mehr als elf Figuren an einem Gebäude angebracht sein. Ebenso war 11 die Höchstzahl der in der klassischen chinesischen Architektur für eine einzelne Halle zulässigen Joche.9 Die Zahl 11 verkörperte den höchsten Rang. Erwartungsvoll stellte ich die elf „reinen“ Himmels‑Hex.‑Paare zusammen, sowohl diejenigen der linken, Gaben spendenden, als auch die der rechten, strengen Hand des Himmels.... Ich zog einen Kreis und ordnete die acht Trigramme auf ihm folgendermaßen an: den Himmel oben, die Erde unten, links Feuer, rechts Wasser und dazwischen, wie vorgegeben, die übrigen vier Trigramme. Das ist der Kreis des frühen oder ursprünglichen Himmels, der dem mythischen Herrscher Fuxi zugeschrieben wird. Dann zog ich einigermaßen gespannt die Doppel‑Geraden zwischen jeweils zwei Trigrammen, aus denen sich ein „reines“ Hex.‑Paare des Himmels zusammensetzt. Es schien sich ein symmetrisches Gebilde zu entfalten. Als ich fertig war, mußte ich zwei- und dreimal drauf blicken. Ich konnte es kaum glauben: Es ergab sich eine symmetrische, ansprechende Darstellung (Titelbild des Buches), das wahrscheinlich ein Emblem des Himmels ist. Spontan nannte ich sie das „dreifaltige Himmelszelt“.
Literaturverzeichnis zu diesem Kapitel: 1 M. Granet: Das chinesische Denken, S. 149 2 M. Eliade: Die Religionen und das HHeilige, S. 132 3 M.Eliade: Die Religionen und das Heilige, S. 132f 4 A. Forke: Die Gedankenwelt..., S.89 5 Günter Wohlfahrt: Zhuang Zi, S. 114, Herder- Spektrum, Freiburg im Breisgau, 2002 6 Henrik Jäger: Der Daodejing-Kommentar des Chan Meisters Hanshan Deqing, S. 85, Tectum-Verlag, Marburg, 1989 7 M. Eliade: Die Religionen und das Heilige, S 245 8 M. Eliade: Die Religionen und das Heilige, S. 248 9 A. Kausch: China, S.135 110 Britta Rath: Schnellkurs China, S. 115, Dumont Verlag Köln, 2003 111 Florian Reiter: Religionen in China, S. 66, Verlag C.H. Beck, München 2002 112 E. Fazzioli: Gemalte Wörter, S. 99, Marix Verl. GmbH, Wiesbaden, 2004 1 13 Li Leyi: Entwicklung der chin.Schrift am Beispiel von 500 Schriftzeichen, S. 287, Verl. der Hochschule für Sprache und Kultur Beijing, 2001 114 M. Granet, Das chinesische Denken, S. 130 115 Martin Palmer: Taoismus, S. 154, Aurum Verlag, Braunschweig 1994 116 M. Granet: Das chinesische Denken, S. 153 117 M. Eliade: Die Religionen und das Heilige, S. 133 118 M. Eliade: Die Religionen und das Heilige, S. 517 Ende der Leseprobe 4.2 Der Dreifachstern der Harmonie - Fingerabdruck der I-Ging Struktur. 4.3 Die beiden Hexagramm-Paare sowohl großer Harmonie als auch großer Reinheit formen ein gleichschenkliges Kreuz - das bedeutendste Symbol des I-Ging, Jahrhunderte bevor es ein christliches Symbol wurde. 4.4 Das Emblem für Mutter Erde, gebildet von Hexagrammen der Harmonie, denn für die Erde wünschte man sich Harmonie - der Masterplan für die Verbotene Stadt in Peking. 4.5 Wie aus dem Symbol des I-Ging für Himmel und Erde auf zweifache Weise die Zeit hervorgeht. 4.6 Das Reine und Harmonische Herz des Jahres. 4.7 Die schöpferischen und erhaltenden Kräfte des Kosmos verbinden sich in Harmonie. 5. Zusammenfassung Anhang: I) Zuordnung der 64 Hexagramme des I-Ging zu den 24 Solarperioden eines Jahres II) Der Autor bei einem Reinigungs-Ritual III) Das Mawangdui I-Ging liefert zusätzliche Beweise
1. Einleitung - In dem Buch "Das Dreifaltige Himmelszelt im Entschlüsselten I-Ging"
- (erschienen im Verlag Books on Demand GmbH, Norderstedt)
- wird das I-Ging, das Altchinesische Weisheits- und Orakelbuch, das auch als Kalender genutzt wurde, nachvollziehbar entschlüsselt. (Für die Chinesen stellte nach M. Granet der Kalender das oberste Gesetz dar.)Durch die Entschlüsselung des I-Ging ergeben sich völlig neue Einblicke in den Reichtum der alten chinesischen Kultur. Die Forschungs-Ergebnisse von Peter Plichta über die Einteilung der natürlichen Zahlen werden hier bestätigt. Unter Berücksichtigung der Paarbildung wurden die natürlichen Zahlen, welche die Ordnungszahlen der Hexagramme bilden, von den alten Chinesen in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe entspricht den Kräften der Schöpfung, die zweite den Kräften der Erhaltung und die dritte den Kräften der Auflösung.
Das Dreifaltige Himmelszelt entschlüsselt das I-Ging! Der Wandel im I-Ging beruht auf Schöpfung, Erhaltung und Auflösung. Seine 64 Hexagramme erhalten einen neuen und anschaulicheren Sinn. Es ergibt sich eine neue Form der Deutung der Hexagramme bei der Verwendung des I-Ging als Orakel, bei dem es in erster Linie darum geht, die eigenen psychischen und psychokinetischen Kräfte zu aktivieren. Die Definition von Hexagrammen der Harmonie und Reinheit führt zu bedeutenden Symbolen, wenn man diese Hexagramme im Kreis des "frühen Himmels" graphisch darstellt.
- Mit Hilfe dieser Symbole dürften vom Kaiser und Eingeweihten Himmel und Erde angerufen worden sein. Eine Eigenschaft, die ihnen über die Zeiten hinweg erhalten blieb. Heute kann jedermann sie zur Beeinflussung von Ereignissen verwenden, die fälschlicherweise als Schicksal hingenommen werden.
- Ausgangspunkt der Entschlüsselung des I-Ging ist die Zuordnung der 64 Hexagramme zu den 24 Solarperioden eines Jahres und damit zu den Jahreszeiten-Anfängen, Jahreszeiten-Ausklängen, Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden.
(Wenn man Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden zusammenfaßt, sind es sozusagen drei Jahreszeiten-Kategorien. Sie unterteilen sich in die 12 Jahreszeiten-Abschnitte: Frühlings-Anfang, Frühlings-Tagundnachtgleiche, Frühlings-Ausklang, Sommer-Anfang, Sommer-Sonnenwende, Sommer-Ausklang, Herbst-Anfang usw., die von jeweils zwei Hexagrammen dargestellt werden.)
Die Struktur des I-Ging ist für die Deutung der Hexagramme wichtig. Die Deutung erweitert und vereinfacht sich und gewinnt gleichzeitig an Tiefe und Kraft. Die Ergebnisse sind auch für die Zahlenmystik und Numerologie von Bedeutung. Wer mit dem I-Ging arbeitet, gleichgültig auf welche Weise, kommt nicht umhin, die in dem oben genannten Buch enthüllten Strukturen zu berücksichtigen. Das I-Ging stellt wie die Pyramide von Kukulcan in Chichen/Mexiko mit ihren Treppenstufen u.a. ein Monument des Sonnenjahres dar. Die Funktion des I-Ging als Abbild des Sonnenjahres steht seiner Verwendung als Orakel nicht entgegen. Negative oder positive Ereignisse, wie sie im Jahresverlauf zu bestimmten Zeiten auftreten, fallen beim Fragesteller auf beliebige Termine. Mein Buch zeigt auch, daß das I-Ging in viel stärkerem Maße im Spirituellen verankert ist, als bisher bekannt war. In Hexagramm 30 verbindet sich z.B. die Drei, die Zahl des Menschen in der chinesischen Mythologie, mit der Null, der Zahl für das DAO. Die Bedeutung des Hexagramms mit der Ordnungszahl 30 aber ist das "STRAHLEN". Dies kann als Symbol für den spirituellen Weg und sein Ziel angesehen werden. Wenn sich der Mensch in der Medition oder im Gebet z.B. mit dem Urgrund verbindet, so kann er bei langer Praxis "erleuchtet" werden und auf der feinstofflichen Ebene zu "strahlen" beginnen. Solche Ausnahme-Menschen wurden auch in fernöstlichen Kulturen mit einem "Heiligenschein" um den Kopf dargestellt.
Aus dem sogenannten Mawangdui I-Ging, das um Jahrhunderte älter ist als das herkömmliche I-Ging, ist im übrigen besser zu erkennen, dass das I-Ging ursprünglich als Kalender genutzt wurde. Siehe meinen Aufsatz am Schluß nach dem Titelbild des Buches!
Bestätigung der Forschungsergebnisse von Peter Plichta Im übrigen spielt die Primzahlgruppe, wie sie von Peter Plichta definiert wurde, im I-Ging eine große Rolle. Dies stellt sich heraus, wenn man die 64 Hexagramme bei Eins beginnend der Reihe nach den 64 Solarperioden von zweizweidrittel Jahren zuordnet. 24 Hexagramme stehen für die 24 Solarperioden eines Jahres. Über Plichta hinausgehend haben die alten Chinesen zwischen zwei Arten von Primzahlen unterschieden. Desweiteren haben sie die Paarbildung zwischen einem Hexagramm mit ungerader Ordnungszahl und dem darauf folgenden Hexagramm mit gerader Ordnungszahl berücksichtigt. Ansonsten stellt die Struktur des I-Ging eine Bestätigung der Einteilung der natürlichen Zahlen in drei Gruppen dar, wie Plichta sie vorgenommen hat. (Siehe auch die Ausführungen im 3. Abschnitt!) Sehr überraschend war für mich, dass die Trigramm-Verteilungen der Hexagramme der einzelnen Jahreszeiten-Abschnitte Sternbilder darstellen. Vor allem hierdurch wird das I-Ging mit dem Himmel verbunden, von dem uns ja auch ein wesentlicher Teil unseres Schicksals zufällt. Es ergeben sich neue Einblicke in die chinesische Astronomie. (Die Entdeckung der Altchinesischen Sternbilder gelang mir nur aufgrund der Ratschläge meines Sohnes Ingo Giebel, der als Diplom-Informatiker Experte für Datenverarbeitung ist. Die Adresse seiner Homepage lautet - Das Altchinesische Sternbild des Dreibeinigen Roten Raben habe ich einmal deshalb ausgewählt, weil der Rote Rabe eines der Sternbilder ist, das mit dem entsprechenden I-Ging Stern Diagramm auf verblüffende Weise übereinstimmt (Abbildungen 1 und 2 unten.) Desweiteren spielt dieses Sternbild aber auch unter den 12 Altchinesischen Sternbildern, welche die I-Ging Diagramme darstellen, eine besondere Rolle. Obwohl der Dreibeinige Rote Rabe ein altes Tier der Sonne und ein Emblem der Zhou-Dynastie war, die vom Ersten Kaiser um etwa 200 v. Chr. abgelöst wurde, ist es in der Sternkarte der nachfolgenden Han-Dynastie nicht enthalten, sondern taucht erst Jahrhunderte später in einer Sternkarte der Tang-Dynastie wieder auf. Die Vermutung liegt nahe, daß es vom Ersten Kaiser der Fünf-Elementen-Lehre folgend aus den Sternkarten verbannt wurde. Damit könnte es etwas über den Zeitpunkt der Neuordnung des I-Ging verraten, wie sie auf uns überkommen ist.
2. "Beweise" dafür, daß die Zuordnung der Hexagramme zu den Solarperioden, wie sie hier getroffen wurde, "richtig" ist und so auch von den Schöpfern bzw. Neuordnern den I-Ging um die Zeitenwende vorgenommen wurde. 2.1 Das Trigramm Donner, das auch das Erregende bedeutet, ist im Sommerhalbjahr zwischen Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche oben in den Hexagrammen zu finden, im Winterhalbjahr aber unten in den Hexagrammen. Dies stimmt mit der mythologischen Vorstellung Altchinas überein, daß der Donner im Winterhalbjahr in der Erde schläft, im Monat der Frühlings-Tagundnachtgleiche aber zum Himmel emporsteigt.
Das Trigramm Donner ist im "Winterhalbjahr" unten, im "Sommerhalbjahr" oben in den Hexagrammen zu finden, so wie dies aus der folgenden Abbildung hervorgeht:
Beispiele: In Hexagramm 16) DIE BEGEISTERUNG hat das Trigramm Donner oben seinen Platz, in Hexagramm 24) DIE WIEDERKEHR unten. Den anderen Platz nimmt das Trigramm Erde ein, das aus drei Yin-Linien besteht.
(Der innere Kreis in der obigen Abbildung enthält die 24 Solarperioden des ersten Jahres (Hex. 1-24), der mittlere die 24 Solarperioden des zweiten Jahres (Hex. 25-48) und der dritte äußere die 18 Solarperioden des 3. unvollständigen Jahres (Hex. 49-64)) 2.2 Die Tagundnachtgleichen werden bevorzugt durch Hexagramme dargestellt, welche bei ihrere graphischen Darstellung im Kreis des frühen Himmels Waagerechten bilden. Von den sechs möglichen Waagerechten insgesamt entfallen vier auf die Tagundnachtgleichen. Eine Senkrechte gehört nicht dazu. Alle Senkrechten entfallen auf die Jahreszeiten-Ausklänge bzw. auflösenden Kräfte des Kosmos. Der "senkrechte Fall" im Physischen kann den "senkrechten Aufstieg" im Spirituellen bedeuten! Die Senkrechten der Auflösung stellen außerdem so etwas wie die Säulen der Schöpfung dar. Ohne Auflösung würde sie jedenfalls stagnieren.
Ein Hexagramm wird im Kreis des "frühen Himmels" graphisch durch die Verbindungsgerade zwischen den beiden Trigrammen dargestellt, aus denen es besteht: das Hexagramm 63, in dem das Trigramm Feuer unten und das Trigramm Wasser oben seinen Platz hat, durch die Verbindungsgerade zwischen den beiden Trigrammen Feuer und Wasser. Die Hexagramme, die sich aus zwei gleichen Trigrammen zusammensetzen, werden durch einen Kreis um dieses Trigramm dargestellt. 2.3 Die Geraden der Hexagramme, welche die Sonnenwenden darstellen, haben vielfach das Trigramm Himmel (Yang,Wärme) bei den Sommer- und das Trigramm Erde (Yin, Kälte) bei den Winter-Sonnenwenden zum Ziel. Ein Beispiel hierfür bilden die Sommer- und die Winter-Sonnenwende im zweiten Jahr:
2.4 Die Hexagramme der Jahreszeiten-Anfänge sind von überwiegend positiver Vorbedeutung - die schöpferischen Kräfte des Kosmos, die Hexagramme der Jahreszeiten-Ausklänge dagegen zur Hälfte von überwiegend negativer Vorbedeutung - die auflösenden Kräfte des Kosmos. Die Hexagramme der Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden stehen für die erhaltenden Kräfte des Kosmos.
2.5 Der folgende Dreifachstern der Harmonie, der von den Hexagrammen der Harmonie und großen Harmonie aller drei Paargruppen gebildet wird, stellt die Harmonie von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung bildlich dar. (Eine Definition dieser Hexagramme wird weiter unten gegeben.) Der Dreifachstern der Harmonie -
Fingerabdruck der I- Ging Struktur: Der Dreifachstern der Harmonie wird von den Hexagrammen der Harmonie und großen Harmonie der drei Paargruppen dargestellt. Er chararakterisiert die Struktur des I-Ging. Schöpfung , Erhaltung und Auflösung sind in stetem Wechsel begriffen. Das ist letztlich die Ursache für den fortwährenden Wandel, den die Hexagramme des I-Ging beschreiben, das auch das Buch der Wandlungen genannt wird. Der violette Stern symbolisiert die Auflösung, aber auch die Annäherung an das unergründliche Dao, die eher durch "widriges" als durch "günstiges Schicksal" verursacht wird . Er betont neben der Senkrechten, der Verbindung zwischen Himmel und Erde, die Waagerechte, die für das Gleichgewicht der Kräfte und die Vollendung steht, die auch die Vervollkommenung beinhaltet. Er symbolisiert die Harmonie der Auflösung; der gelbe Stern steht für die Harmonie der Erhaltung und der blaue Stern für die Harmonie der kreativen Kräfte der Schöpfung. Violett und blau sind hier die Farben des Himmels, gelb die Farbe der Erde. Der gelbe Stern betont die Trigramme Donner, Berg, See und Wind, Naturkräfte der Erde. Am meisten Harmonie und auch Reinheit ist seltsamerweise in dem violetten Stern der Auflösung, den Hexagrammen der strengen Hand des Himmels enthalten, die gleichzeitig die "andere Seite der Gnade" darstellt. Welche Erfahrungen mögen dieser Aussage zugrunde liegen? Sie sind anscheinend ähnlich wie diejenigen, die in dem Buch Hiob der Bibel beschrieben werden. Papst Benedikt XVI schreibt hierzu in seinem Buch "Jesus von Nazareth" (Herder 2007, S. 197):
"... Um reif zu werden, um wirklich immer mehr von einer vordergründigen Frömmigkeit in ein tiefes Einssein mit Gottes Willen zu finden, braucht der Mensch die Prüfung. Wie der Saft der Traube vergären muß, um edler Wein zu werden, so braucht der Mensch Reinigungen und Verwandlungen, die ihm gefährlich sind, in denen er abstürzen kann, aber die doch die unerläßlichen Wege sind, um zu sich selbst und zu Gott zu kommen. Liebe ist immer ein Prozeß der Reinigungen, des Verzichts, schmerzvoller Umwandlungen unserer selbst und so der Weg der Reifung. ..." Ein Symbol für die Möglichkeit des Abstürzens ist Hex. 29) Wasser/ Wasser: "Das Abgründige", das auch auch das Hineinstürzen bedeutet. Zusammen mit Hex. 30) Feuer/Feuer: "Das Ausstrahlen" führt es die die Hexagramme der strengen Hand des Himmels an. (Beide Hexagramme sind Doppelzeichen.) Wer den Weg der "schmerzvollen Umwandlungen" geht, kann "Erleuchtung" erlangen, wie sie Hexagramm 30 darstellt. Die Essenz der Erleuchtung ist aber nichts anderes als "ein tiefes Einssein mit Gottes Willen", das auch als ein Verschmelzen mit dem unergründlichen Dao aufgefaßt werden kann, aus dem alles hervorgeht und zu dem alles zurückkehrt. Friedrich Hölderlin hat diese Erfahrungen in dem folgenden Gedicht verarbeitet: Ich hatte es nie so ganz erfahren, jenes alte feste Schicksalswort, dass eine neue Seligkeit dem Herzen aufgeht, wenn es aushält und die Mitternacht des Grams durchduldet. und dass, wie Nachtigallengesang im Dunkeln, göttllich erst im tiefen Leid das Lebenslied der Welt uns tönt.
Das I-Ging ist spiritueller als bisher angenommen wurde. Siehe auch Haikus und Tankas vom 27. 08. 07, 07.09.07 sowie 10. und 11.12.07 in: www.jotinshaikus.de! Die neue Art der Wahrsagung Nach Dominque Hertzer lassen sich drei verschiedene Ebenen der Wahrsagung unterscheiden: „Die unterste Ebene kann allein durch Hinschauen wahrgenommen werden und bezieht sich ausschließlich auf die Symbolik der Tri- und Hexagramme. Die folgende Ebene ist dem Bereich der Zahlen zugeordnet, welche ... auch die Übertragung der Zahlen auf die kosmischen Phänomene umfaßt. ... Auf der obersten Ebene gilt es nun die Wirkkraft und Bedeutung der einzelnen Linie wie des gesamten Hexagramms zu verstehen und miteinander in Verbindung zu setzen; sie repräsentiert gewissermaßen die philosophische Ebene des I-Ging. ...“(Dominque Hertzer: „Das alte und das neue Yijing“, S. 197, Eugen Diederichs Verlag München 1996.) Durch die Aufdeckung der Struktur des I-Ging in dem Buch „Das Dreifaltige Himmelszelt im Entschlüsselten I-Ging“ ist die unterste Ebene der Wahrsagung nicht betroffen, wohl aber die zweite und dritte. Die Fragen nach der Zukunft erfahren hierdurch eine differenziertere und einprägsamere Antwort. Es ergibt sich eine Vielzahl von Zusammenhängen, die bei einer Deutung der Hexagramme nicht vernachlässigt werden können. Wer mit dem I-Ging arbeitet, sollte deshalb diese bislang unbekannten Zusammenhänge kennen. U.a. ist ein Hexagramm der kreativen Kräfte des Kosmos - die schenkende Hand des Himmels - anders zu deuten als ein Hexagramm der auflösenden Kräfte - die strenge Hand des Himmels. Die Hexagramme der auflösenden Kräfte des Kosmos sind zwar zur Hälfte vorwiegend negativ, können jedoch auch sehr willkommen sein, wenn sie z.B. Kräfte darstellen wie diejenigen, welche Schnee und Eis des Winters auflösen, so daß das Frühjahr kommen kann. Wenn das Ausgangs-Hexagramm andere Kräfte beinhaltet bzw. einer anderen Paargruppe angehört als das Folge-Hexagramm, wird die Wandlung tiefgehender sein. Sofern Ausgangs- und Folge-Hexagramme in einem harmonischen Verhältnis zueinander stehen, sind auch gute Voraussetzungen dafür gegeben, daß die Wandlung harmonisch verläuft. Desweiteren ist darauf zu achten, welchen der drei Jahreskreise die beiden Hexagramme gehören, die man erhält. Auf dem ersten Jahreskreis (Hexagramme 1-24) haben Himmel und Erde das Sagen, die auch für Vater und Mutter stehen. Hier vor allem sollte Führung durch die "andere Seite" bzw. durch Menschen mit größerer Erfahrung gesucht werden. Auf dem letzten unvollständigen Jahreskreis (Hexagramme 49-64) treten die Trigramme Himmel und Erde überhaupt nicht mehr auf. Wenn der Fragesteller eines dieser Hexagramme erhält, dann kommt es mehr noch als sonst darauf an, daß er sein Schicksal selber in die Hand nimmt. 2.6 Das Sternbild des Dreibeinigen Roten Raben zur Sommer-Sonnenwende, einmal als I-Ging Diagramm der Sommer-Sonnenwende und zum anderen als Sternbild nach der Dunhuang Sternkarte- Das I-Ging Stern-Diagramm der Sommer-Sonnenwende entspricht dem Dreibeinigen Roten Raben san zu wu in der Dunhuang Sternkarte aus der Tang-Zeit. (Sechs Sterne aus dem westlichen Sternbild Rabe) Das I-Ging Stern-Diagramm der Sommer-Sonnenwende entspricht von der Form her einem Sternbild in „Vogelgestalt“ aus der Dunhuang Sternkarte, die aus der Tang-Dynastie stammt. Sogar die Anzahl der Sterne – es sind sechs - stimmt überein. In den vorhandenen älteren Sternkarten ist er allerdings nicht zu finden, obwohl er ein altes Tier der Sonne ist. Zur Sommer-Sonnenwende hatte ich schon einen Roten Vogel oder einen Köperteil davon erwartet. Aber ich hatte mehr an den Roten Phönix gedacht. Dieser ist das mythische Tier des Sommer und des Südens. Auf das Bild des Roten Vogels sind die sieben Mondstationen des Südens bezogen. Das I-Ging Stern Diagramm ist nun allem Anschein nach der Dreibeinige Rote Rabe, der schon auf den ältesten erhaltenen Steinreliefs als Tier und Wandlungsform der Sonne zu finden ist.
- Abb. 1
I-Ging Stern Diagr. des Dreibeinigen Roten Raben zur Sommer-Sonnenwende 6.6.-6.7. (Verteilung der Trigramme der Hexagramme der beiden Solarperioden der Sommer-Sonnenwende der zweizweidrittel Jahre, welche die 64 Hexagramme des I-Ging darstellen, im Kreis des frühen Himmels. Insgesamt handelt es sich um die Trigramme der sechs Solarperioden der drei Sommer-Sonnenwenden, welche die Hexagramme des I-Ging darstellen.) Abb. 2 Altchinesisches Sternbild des Dreibeinigen Roten Raben nach der Dunhuang Sternkarte (Dunhuang Sternkarte, bezeichnet nach einem Ort an Seidenstraße, wo sie 1907 von M. A. Stein entdeckt und ins Britische Museum in London gebracht wurde. Es wird angenommen, daß sie aus der Tang-Dynastie (618-907) stammt. Quelle: Britisches Museum http://www.imagesonline.bl.uk/ britishlibrary/controller/textsearch?text=dunhuang&start=21 &stardid=...13.06.2006 (Das Sternbild des Dreibeinigen Roten Raben wurde abgezeichnet.)
- Dreibeinig könnte der Rabe sein, weil die Zahl zwei möglicherweise als unpassend für die Sonne, die Yang ist, angesehen wurde und deshalb durch die ungerade Zahl Drei ersetzt wurde. Zwei ist als gerade Zahl Yin, drei als ungerade Zahl Yang. Der Rote Rabe war auch das symbolische Tier der Zhou-Dynastie (1050 256 v. Chr.), weil sich die Zhou mit der Sonne identifizierten. Dies könnte der Grund dafür sein, daß der Dreibeinige Rote Rabe in den Sternkarten der Han-Zeit nicht zu finden ist. Er könnt vom Ersten Kaiser Shi Huangdi, der die Zhou Dynastie ablöste, durch ein anderes Sternbild ersetzt worden sein. Das Sternbild Zhen aus der Han-Zeit ist eine Mondstation des Roten Vogels und damit auch der Dreibeinige Rote Rabe. Sie nehmen beide den gleichen Platz vor Yi, den Flügeln des Roten Phönix, ein. Das westliche Sternbild Wasserschlange liefert die übrigen sechs Mondstationen des Roten Vogels, für die jedoch keine I-Ging Sternbilder vorhanden sind.
- Aus Tabelle 1 gehen die Auf- und Untergangs- sowie Kulminationszeiten von zwei Hauptsternen im Sternbild Rabe in Xian am 21. Juni 200 v. Chr. hervor:
- Tab. 1
- Stern in Rabe:
- Aufgang, Kulmination, Untergang
- Algorab:
- 11.52 Uhr 17.39 23.26
- Minkar:
- 11.52 17.21 22.51
- Sonne:
- 5.27 19.55
Zur Sommer-Sonnenwende ist die Sonne auf dem Höhepunkt ihrer Yang-Kraft. Die Vegetation explodiert. In dem I-Ging Stern-Diagramm der beiden Solarperioden vom 6.6 bis 6.7. erreicht Yang mit 26 Linien im Jahresverlauf denn auch seinen Höchstwert. Yin ist lediglich mit zehn Linien vertreten. Das Trigramm Himmel nimmt mit der Anzahl vier zum zweitenmal im Jahr seinen Höchstwert an. Der erste fällt auf den Frühlings-Anfang. Im Unterschied zum Frühlings-Anfang erreichen jetzt die Trigramme Wind und See mit der Anzahl drei ebenfalls ihre Höchstwerte. Das Trigramm Wind steht auch für Pflanzenwachstum und das Trigramm See für Freude und Heiterkeit. Da Yang in diesem I-Ging Sternbild ebenso wie die Einstrahlung der Sonne ihr Maximum erreicht, entspricht das Diagramm auch von daher der Sonne auf dem Höhepunkt ihrer Einstrahlung und damit auch dem Tier der Sonne, dem Dreibeinigen Roten Raben. Da die Trigramme Wind (Pflanzen) und See jetzt ihre Höchstwerte annehmen, betonen sie das Pflanzenwachstum sowie Heiterkeit und Freude und sind damit ebenfalls charakteristisch für die Sommer-Sonnenwende.
Der Kreis des "frühen" und der Kreis des "späten" Himmels  (Im Kreis des "frühen" Himmels hat das Trigramm Himmel oben und das Trigramm Erde unten seinen Platz, im Kreis des "späten" Himmels ist das Trigramm Feuer oben und das Trigramm Wasser unten zu finden. Die übrigen 6 Trigramme nehmen ebenfalls andere Stellen ein.)zu Jahr und damit auch das Zusammentreffen der untergehenden Plejaden mit dem Vollmond bzw. der Plejaden mit dem zunehmenden Mond. Die beiden Termine auf der Himmels-Scheibe von Nebra stehen deshalb auch für die Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche, an denen Tag und Nacht gleich lang sind und sich die Waage halten. Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche markieren Beginn und Ende der Vegetationsperiode auf eine exakte Weise. Allerdings war es einfacher die Plejaden und den Mond zu beobachten als die Termine der Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche festzulegen.
Das I-Ging Diagramm Nr. 8 der Herbst-Tagundnachtgleiche stellt von Form und Bedeutung her ein Boot dar. Mit seiner Symbolik lässt sich die Funktion des Bootes auf der Scheibe von Nebra entschlüsseln, so unwahrscheinlich dies auf den ersten Blick auch scheinen mag.
Das I-Ging Diagramm Nr. 8 des Zeitraums vom 7.9. bis 7.10 entspricht den Solarperioden 15) Weißer Nebel and 16) Herbst-Tagundnachtgleiche. Am 22./23. September ist die Herbst-Tagundnachtgleiche. An diesem Datum sind Tag und Nacht gleich lang und halten sich das Gleichgewicht. Das I-Ging Diagramm Nr.8 steht also für den Zeitraum, in den die Herbst-Tagundnachtgleiche fällt. Es wird gebildet von den Trigrammen der Hexagramme 15,16 (erstes Jahr); 39,40 (zweites Jahr) sowie 63,64 (drittes Jahr), welche diesen Zeitraum darstellen. Das I-Ging Diagramm Nr. 8 ist die Häufigkeitsverteilung der Trigramme dieser Hexagramme. In Die Trigramme Himmel, Wind und See sind nicht vorhanden, das Trigramm (fließendes) Wasser jedoch mit der Höchstzahl vier, die übrigen Trigramme je zweimal. Yin ist doppelt so häufig wie Yang. Das Übergewicht in der Anzahl des Trigramms Wasser sowie das Übergewicht von Yin passen zu einem Wasserfahrzeug. Zu den Tagundnachtgleichen wurden u.a. die Waagen überprüft. Was zu viel war, sollte weggenommen und was zu wenig war, hinzugefügt werden. Zu Hex. 15, das zusammen mit Hex. 16 die Herbst-Tagundnachtgleiche im ersten Jahr darstellt, heißt es im Text zum Bild (im I-Ging): “... So verringert der Edle, was zu viel ist und vermehrt, was zu wenig ist. Er wägt die Dinge und macht sie gleich.“ Auch der Mensch soll also bei sich einen solchen Ausgleich vornehmen und sein seelisches Gleichgewicht finden. Bei den beiden Hexagrammen 63 und 64, welche die Herbst-Tagundnachtgleiche im dritten Jahr darstellen, geht es um Vollendung. Die Arbeit an sich hat damit einen vorläufigen Höhepunkt bewirkt. Mit Hexagramm 64 endet das I-Ging. Zum Zeitpunkt der Herbst-Tagundnachtgleiche ist die Ernte eingebracht. Viele alte Kulturen feiern die Herbst-Tagundnachtgleiche mit dem Thema der Balance. Zu den Tagundnachtgleichen feiern nach altchinesischer Vorstellung auch die beiden grundlegenden Kräfte des Kosmos Yin und Yang Hochzeit. Als Licht und Dunkelheit halten sie sich an den beiden Terminen das Gleichgewicht.
Im I-Ging ist an insgesamt zwölf Textstellen das Motiv „Das große Wasser durchqueren“ zu finden. Auch von daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass ein I-Ging Diagramm ein Boot darstellt. Das große Wasser könnte dem Flußlauf in bestimmten kleinen Tälern entsprechen, der dort eine Grenze zum Heiligen Bezirk am anderen Ufer darstellte. In dem Heiligen Bezirk am anderen Ufer fanden u.a. die Feste zu den Tagundnachtgleichen statt. Das große Wasser durchqueren bedeutete auch, in die Welt der Ahnengeister einzutreten, mit denen man sich im Heiligen Bezirk (oder im „Traum“) traf. Die an Schamanenkleidern zu findenden kleinen Boote und Ruder zeigen, daß Boote als Symbol für eine Reise in die normalerweise „verborgene Wirklichkeit“ galten. Die Milchstraße war das große Wasser am Himmel.
Entspricht das I-Ging Diagramm der Herbst-Tagundnachtgleiche dem himmlischen Boot Tianchuan in der Milchstraße? 

Die chinesische Astronomie hat eine lange Tradition. Die ältesten bekannten Sternbilder, nämlich Großer Wagen, Tiger und azurner Drache stammen aus der Zeit um 4000 v. Chr. Um 1000 v. Chr. wurde eine Sternkarte mit 44 Sternbildern angefertigt, zu denen 141 Sterne gehören. Das Sternbild Tianchuan, das ein Boot im damals so gesehenen „Fluss“ der Milchstraße darstellt, wurde von dem Astronomen Shi Shi überliefert, der im 4. Jahrhundert v. Chr. lebte. Wie lange das Sternbild schon vorher existiert hat, ist nicht bekannt. Tianchuan wird von einem Bogen aus neun Sternen gebildet, die dem westlichen Sternbild Perseus angehören. Im 4. Jahrhundert vor Christus war das Boot Tianchuan nach Sonnenuntergang bereits am östlichen Himmel zu finden. Es kulminierte gegen zwei Uhr nachts (heute etwa zwei Stunden später) und ging etwa vier Stunden nach Sonnenaufgang unter. In der Zeit, zu der damals die nächtlichen Feiern zur Herbsttagundnachtgleiche stattfanden, war es also bei klarem Herbstwetter die ganze Nacht über am Himmel zu sehen. Die Übereinstimmung zwischen dem I-Ging Diagramm der Herbst-Tagundnachtgleiche und dem Boot Tianchuan in der Milchstraße könnte bezüglich der Form kaum besser sein. Übereinstimmung besteht aber auch, wie im Vorhergehenden gezeigt, von der Bedeutung und dem Zeitpunkt des Erscheinens her. Es ist also einigermaßen wahrscheinlich, dass das I-Ging Diagramm Nr. 8 das himmlische Boot Tianchuan in der Milchstraße darstellt, die damals als himmlischer Fluss gesehen wurde. Die wahre Bedeutung des Bootes auf der Himmelsscheibe von Nebra! 


Auf der Himmelsscheibe von Nebra gab es zwei Bögen, die einander gegenüber liegen, von je 82,7 Grad - der Abstand zwischen dem nördlichsten (Sommer-Sonnenwende) und südlichsten-Punkt (Winter-Sonnenwende) von Sonnenuntergang und Sonnenaufgang in Sachsen-Anhalt zur Bronzezeit. Mit der Scheibe in einer horizontalen Ebene, konnten die Bögen dazu verwendet werden, um die Position des Sonnenauf-und Sonnenuntergang in Bezug auf den Brocken (im Harz) zu untersuchen. Auf dem Mittelberg - wo die Scheibe gefunden wurde - geht die Sonne zur Sommersonnenwende (21. Juni) hinter dem in nordwestlicher Richtung 85 km entfernt liegenden Brocken unter. Der kürzere unten liegende Bogen wird entsprechend den damaligen Vorstellungen als Boot für die Fahrt der Sonne zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang interpretiert. Archäologen nehmen an, dass das Schiff das Symbol einer neuen religiösen Idee ohne praktische Relevanz für die Astronomie war. Die Scheibe soll am Ende nur noch als Kultobjekt gedient haben. Der Autor glaubt, dass dies falsch ist. Es lässt sich leicht zeigen, zu welchem Zweck das Boot tatsächlich verwendet wurde. Ein Boot ist ein Fahrzeug, das im Gleichgewicht mit dem Wasser ist. Sonst kentert es und kann sogar sinken. Zur Tagundnachtgleiche sind Tag und Nacht gleich lang und somit im Gleichgewicht. Ein Boot, dessen Funktionieren von seinem Gleichgewicht abhängt, ist das Symbol für Gleichgewicht und stellt deshalb auch die Tagundnachtgleiche symbolisch dar. Das Boot auf der Himmels-Scheibe von Nebra steht deshalb eventuell für die Tag-und Nachtgleiche, wäre dann gewissermaßen ein Symbol für die Sonne an zwei Tagen im Jahr. Wenn das Boot auf der Himmelsscheibe wirklich als Symbol für die Tagundnachtgleiche gedacht war, dann sollte dies aus einer entsprechenden Maßzahl auf der Himmels-Scheibe auch hervorgehen. Und tatsächlich ist dies auch der Fall. Eine solche Maßzahl ist sogar zweimal vorhanden. Die Scheibe zeigt einen Winkel von 41 Grad zwischen den Enden eines jeden der beiden Bögen an der Seite und dem ersten Punkt oder Loch auf jeder Seite des Bootes, die in Kontakt mit dem Boden des Bootes sind. Insgesamt sind drei Löcher in Kontakt mit dem Boden des Bootes. Um die beiden äußeren geht es hier. (Es gibt insgesamt 39 oder 40 Punkte auf dem Rand der Scheibe) 41 Grad war der Abstand zwischen Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang zur Sonnenwende und Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang zur Tagundnachtgleiche in Nebra in der Bronzezeit. Die Spannweite von 41 Grad steht für die 91 Tage zwischen Sonnenwende und Tagundnachtgleiche. (Die 82,6 Grad großen Bögen an den Seiten entsprachen, wie die Archäologen festgestellt haben, den 182,5 Tage zwischen den Sonnenwenden. Das Schiff auf der Scheibe von Nebra wurde verwendet, um die Tagundnachtgleichen mit Hilfe einer der beiden Bögen an den Seiten und dem Brocken (im Harz) zu bestimmen. Die Löcher am Rand der Scheibe unterstützen die Messungen. Der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Löchern beträgt 21 Tage. Um die Zeit der Tagundnachtgleiche so genau wie möglich zu bestimmen, waren Messungen Tage und Wochen im Voraus notwendig, jedes Mal, wenn bei klarem Wetter der Brocken zu sehen war. Das Ende einer der beiden seitlichen Bögen auf der horizontal liegenden Scheibe von Nebra (oder einem einfachen Duplikat) wurde auf den Brocken gerichtet. Die untergehende Sonne war in der Nähe eines der Löcher unter dem Schiff zu sehen. Die Entfernung zum Loch der Tagundnachtgleiche, zeigte, wie viele Tage die Tagundnachtgleiche entfernt lag. Vielleicht war sie ja auch schon überschritten. Den Zeitpunkt der Frühlings-Tagundnachtgleiche zu kennen, ist von großer Bedeutung für Menschen, die von der Landwirtschaft leben. Sie mussten wissen, wann es Zeit ist, den Samen in die Erde zu legen. Nur mit dem Boot ist die Himmelsscheibe von Nebra eine echte Bronzezeit Uhr, die den Frühling anzeigt. (Text aus jotinshaikus.de)
Haiku: Boot Tianchuan muss sein Gleichgewicht wahren, ebenso der Mensch! 2.8 Das Sternbild des Weißen Tigers a) I-Ging Stern-Diagramm b) Altchinesisches Sternbild Herbst-Ausklang: 8.10.-6.11. (Sterne aus Orion)  Das Sternbild Shen, das den weißen Tiger bai hu oder einen großen Jäger oder Krieger darstellt (Im Spätherbst stieg der Tiger von den Bergen herab in die Ebene. Das, was man gewöhnlich als erstes von ihm zu sehen bekam, waren die Abdrücke seiner vier Tatzen.) 3. Die Ordnungszahlen der Hexagramme der Jahreszeiten-Anfänge, -Ausklänge, Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden werden durch verschiedene Arten von natürlichen Zahlen dargestellt.
Es wird zwischen Hexagrammen des Himmels, der Erde und des Menschen unterschieden Die Ordnungszahlen der Hexagramme des Himmels gehören zur Primzahlgruppe, wie sie von Peter Plichta definiert wurde. Den Hexagrammen der schöpferischen Hand des Himmels sind dabei Ordnungszahlen der Primzahlgruppe der Form 6n + 1, den Hexagrammen der auflösenden Hand des Himmels Ordnungszahlen der Primzahlgruppe der Form 6n - 1 (n = natürliche Zahl von 0 bzw. 1 bis 10) zugeordnet. Mit ihren Partnerinnen stellen erstere die Jahreszeiten-Anfänge, letztere die Jahreszeiten-Ausklänge dar. Im ersteren Fall schreitet die Schöpfung fort: zu einer Dreiergruppe mit dem Drang nach einem vierten Element tritt ein weiteres Element hinzu, im zweiten geht in der Dreiergruppe ein Element verloren. Es tritt Rückschritt ein. Der Ödipus-Fall. Ödipus ermordet seinen Vater und heiratet seine Mutter. In den (männlichen) Hexagrammen der Primzahlgruppe mit Ordnungszahlen der Form 6n +1 (die schöpferische Hand des Himmels) überwiegen die Yang-Linien die Yin-Linien mit 41 zu 25. Das Verhältnis ist 1,64. In den (männlichen) Hexagrammen der Primzahlgruppe mit Ordnungszahlen der Form 6n - 1 (die auflösende Hand des Himmels) überwiegen dagegen die Yin-Linien die Yang-Linien mit 33 zu 27. Das Verhältnis von Yang zu Yin ist bemerkenswerterweise die Hälfte von 1,64, nämlich 0,82. Den Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden entsprechen die Hexagramme mit ungeraden Ordnungszahlen der Dreiergruppe, wie sie von Peter Plichta definiert wurde, sowie ihre Partnerinnen aus der Zweiergruppe, Hexagramme der Mutter Erde. Auf letztere entfallen die Termine der Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden. Sie haben hier quasi das Sagen. Die Termine der Jahreszeiten-Anfänge und Jahreszeiten-Ausklänge entfallen auf die ("männlichen") Hexagramme des Himmels. 4. Die Hexagramme des I-Ging formen Paare der Harmonie und Reinheit. Diese bilden bedeutungsvolle Embleme. 4.1 Das Diagramm im Kreis auf der Titelseite des Buches "Das Dreifaltige Himmelszelt im Entschlüsselten I-Ging" wird von den 11 "Reinen Hexagramm-Paaren des Himmels" gebildet und stellt das Abbild eines Heiligtums des Himmels dar. (Der Zahl 11 hatte im chinesischen Altertum einen hohen Rang inne. Reinheit wurde dem Himmel zugeordnet. Die Erde galt nicht als rein.)
4.2 Der Dreifachstern der Harmonie, wie er oben abgebildet ist, wird von den Hexagramm-Paaren der Harmonie und großen Harmonie aller drei Paargruppen gebildet. 4.3 Die beiden Hexagramm-Paare sowohl großer Harmonie als auch großer Reinheit bilden ein gleichschenkliges Kreuz Von den 32 Hexagramm-Paaren des I-Ging gibt es nur zwei, welche sowohl große Harmonie als auch großer Reinheit aufweisen. Sie stellen ein gleichschenkliges Kreuz dar, dessen Senkrechte die Verbindung zwischen Himmel und Erde symbolisiert, die positiv, aber auch negativ sein kann. Der waagerechte Balken im Kreuz steht für die Vollendung, welche auch die Vervollkommenung des Menschen beinhaltet.Da es nur diese beiden Hexagramm-Paare sowohl großer Harmonie als auch großer Reinheit gibt, steht das Kreuz im I-Ging im Vergleich zu allen anderen Emblemen und Symbolen an erster Stelle.Ein christliches Symbol wurde das Kreuz erst Jahrhunderte später. Beispiel für die Darstellung der Hexagramme 11 und 12 im Kreuz: Hex. 11 Hex. 12 In Hexagramm 11 hat das Trigramm Himmel unten seinen Platz, das Trigramm Erde oben. Es wird im Kreuz oben durch die Verbindungsgerade zwischen Himmel und Erde dargestellt. Die Bezeichnung des Hexagramms ist in der oberen Hälfte der Abbildung zu finden. In Hexagramm 12 ist das Trigramm Himmel oben und das Trigramm Erde unten zu finden. Es wird ebenfalls durch die Verbindungsgerade zwischen Himmel und Erde dargestellt; doch diesmal ist die Bezeichnung des Hexagramms in der unteren Hälfte der Abbildung zu finden. Es gibt nur diese beiden Hex.-Paare 11/12 und 63/64, deren Partner sowohl in großer Harmonie als auch in großer Reinheit miteinander verbunden sind. Sie stellen wahrscheinlich die beiden bedeutendsten Hex.-Paare im I-Ging dar. Das Hex.-Paar 11/12 gehört der Paargruppe Himmel/Mensch an, der rechten strengen Hand des Himmels, das Hex.-Paar 63/64 zur Paargruppe Mensch/Erde. Die Verbindung zwischen Himmel und Erde aufrecht zu erhalten, war vor allem Aufgabe des Herrschers,Vollendunganzustreben, ist Aufgabe jedes Menschen, spätestens in seinem dritten Lebensabschnitt. Widrige Umstände, wie sie der rechten strengen Hand des Himmels entsprechen, scheinen die Erreichung dieses Zieles zu begünstigen. Ein anderes Diagramm läßt sich als der Masterplan der Verbotenen Stadt in Peking deuten. Hier ergeben sich Beziehungen zu Feng shui, der Kunst der Geomantie. 4. 4
4.5 Ein Beispiel für ein Hexagramm-Paar der Harmonie bildet das Hexagramm-Paar 1/2 1) DIE SCHÖPFERISCHE KRAFT und 2) DAS EMPFANGENDE - „Reinheit“ jedoch klingt viel stärker als „Harmonie“ esoterisch und abgehoben. Beide Begriffe, Harmonie und Reinheit, spielen aber in der chinesischen Kultur bis in die Neuzeit hinein eine gar nicht so unbedeutende Rolle. Das ist insbesondere daran zu erkennen, daß auf der Nord-Süd-Achse der Verbotenen Stadt in Peking Tore und Hallen der Mittleren und Höchsten Harmonie sowie Tore und Paläste der Himmlischen Reinheit liegen. Reinheit war im Alten China ein Ideal des Daoismus und auch des Buddhismus. Ein Symbol dafür war der fleckenlose Spiegel, der nur spiegelt und nichts festhält. (Ein Hexagramm-Paar der Reinheit bilden zwei Hexagramme, die sich spiegeln, d.h., die sich aus den beiden gleichenTrigrammen in vertauschter Reihenfolge zusammensetzen und außerdem der gleichen "Paargruppe" angehören.)
Ein Beispiel hierfür bildet das Hexagramm-Paar 11/12 11) DER FRIEDE, GEDEIHEN und 12) DIE STOCKUNG, STAGNATION Der makellose Spiegel symbolisiert zunächst die Beruhigung des Gemüts und der Seele in der Meditation. Die Besänftigung des Gemüts während der Meditation konnte dann vielleicht ins Alltagsleben mit hinüber genommen werden. Tatsächlich verblassen in der Meditation die Dinge, die einen vorher noch maßlos aufgeregt haben. Man gewinnt Abstand und kann am Ende vielleicht sogar über diese Dinge lachen. Die Seele wird dabei auch mit einem See verglichen, den die Wellen aufwühlen. Bei Windstille beruhigt sich der See ebenso wie Gemüt und Seele während der Meditation. Wenn die Oberfläche des Sees glatt ist, spiegelt sie den Himmel. Im übertragenen Sinne gilt dies auch für die Seele. Der Himmel steht dabei für die Verbindung mit dem Dao und nicht zuletzt auch für Glück. Was bedeutet Reinheit für den Menschen!
Für den Menschen hat Reinheit eine große Bedeutung. "Rein sein" bedeutet frei sein von Schuld, Sünde und anderen seelischen Belastungen, die sich im Laufe des Lebens im feinstofflichen Körper eines Menschen ansammeln. Wenn diese Belastungen einen bestimmten Wert überschreiten, verursachen sie Krankheiten und auch Unglücksfälle. Man rufe sich nur die Forschungs-Ergebnisse von Siegmund Freud ins Gedächtnis. Die Belastungen sammeln sich vor allem im Menschen an, weil die Evolution den Menschen zu einem moralischen Wesen gemacht hat und er nicht ungestraft gegen die moralischen Gesetze in sich verstoßen kann. Die Indianer Nordamerikas kennen spezielle Reinigungs-Rituale, um sich von diesen Belastungen zu befreien. Regelmäßige Meditation bietet gleichfalls eine Möglichkeit. Die acht Trigramme in der Reihenfolge des frühen Himmels: Je zwei Trigramme bilden ein Hexagramm. Die beiden Trigramme, aus denen sich ein Hexagramm zusammensetzt, sowie ihre Beziehung zueinander liefern erste Hinweise für die Bedeutung eines Hexagramms. Als Beispiel hierfür ist Hexagramm 49) DIE UMWÄLZUNG angegeben: Hexagramm 49) DIE UMWÄLZUNG In diesem Hexagramm hat das Feuer unten und das Wasser (See) oben seinen Platz. Das Feuer steigt, das Wasser fällt. Die beiden Kräfte bekämpfen sich und suchen einander zu vernichten. Nach Tab. 1 ist dieses Hexagramm dem Frühlings-Anfang zugeordnet und damit den schöpferischen Kräften des Kosmos. Wie in der Natur, so gibt es auch in der Geschichte eines Volkes Revolutionen und neue Anfänge. Sie sind etwas überaus Schweres. Bei einer Umwälzung der sozialen Verhältnisse sind alle Geisteskräfte des Menschen gefragt, nicht zuletzt Durchhaltevermögen. Im Leben eines einzelnen ist eine "soziale Umwälzung" z.B. eine Ehescheidung. Das Hexagramm steht am Anfang des dritten unvollständigen Jahres, aus dem die Trigramme Himmel und Erde, die auch für Vater und Mutter stehen, völlig verschwunden sind. Menschen, die Erfahrungen mit einer solchen Situation haben und richtig raten können, dürfte es, wenn überhaupt, nur wenige geben. Auf diesem dritten Jahreskreis ist der Mensch mehr noch als auf den beiden vorhergehenden auf sich gestellt. 4.6
Harmonisch ziehen Sommer und Winter ihre getrennten Bahnen. 5. Zusammenfassung: In meinem Buch werden bislang unbekannte Strukturen des I-Ging aufgedeckt, wie jeder leicht nachvollziehen kann. Ich habe die 64 Hexagramme der Reihe nach den 24 Solarperioden eines Jahres zugeordnet. (Siehe Tabelle 1 unten!) Dies ergab sich aus Zusammenhängen zwischen Hexagrammen und Solarperioden. Die Hexagramme stellen insgesamt zweizweidrittel Jahre dar. Bei meiner Form der Zuordnung ist das Trigramm Donner im Sommerhalbjahr zwischen Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche oben in den Hexagrammen zu finden, im Winterhalbjahr dagegen unten. Dies stimmt mit der mythologischen Vorstellung Altchinas überein, daß der Donner im Winterhalbjahr in der Erde schläft, zur Frühlings-Tagundnachtgleiche aber zum Himmel emporsteigt. Dies ist einer der Belege dafür, daß meine Zuordnung der Hexagramme zu den Solarperioden "richtig" ist und auch von den Neuordnern des I-Ging vor etwa 2000 Jahren so vorgenommen wurde. Weitere Belege sind die Hexagrammbilder der Frühlings- und Winter-Anfänge, Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen. Als stärksten Beleg für die Richtigkeit meiner Zuordnung der 64 Hexagramme zu den 24 Solarperioden aber sehe ich die 12 Sternbilder an, welche die Trigramm-Verteilungen der Hexagramme der einzelnen Jahreszeiten-Abschnitte der insgesamt zweizweidrittel Jahre ergeben. Einen weiteren Beweis stellt die Bedeutung der Hexagramme in den einzelnen Hexagramm-Gruppen dar, wie sie im folgenden skizziert ist: Wenn man die Hexagramme von jeweils zwei Solarperioden zusammenfaßt, dann erhält man Hexagramme für die Jahreszeiten-Anfänge, Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden sowie die Jahreszeiten-Ausklänge. Die Hexagramme für die Jahreszeiten-Anfänge sind alle von vorwiegend positiver Vorbedeutung - die schöpferische Hand des Himmels -, die Hexagramme der Jahreszeiten-Ausklänge dagegen zur Hälfte von vorwiegend negativer Vorbedeutung - die auflösende Hand des Himmels. Die Hexagramme der Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden nehmen in Bezug auf die Vorbedeutung eine Mittelstellung ein. Sie entsprechen den erhaltenden Kräften des Kosmos. Die Übereinstimmung zwischen den I-Ging Stern-Diagrammen und den altchinesíschen Sternbildern ist zum Teil außerordentlich genau, wie z.B. bei dem Dreibeinigen Roten Raben aus der Dunhuang Sternkarte zur Sommer-Sonnenwende oder dem Boot Tianchuan in der Milchstraße zur Herbst-Tagundnachtgleiche oder dem Schwanz wei des Blaugrünen Drachens cang long zum Sommer-Anfang.
(Die altchinesischen Sternbilder werden durch die Trigramme der Hexagramme der einzelnen Jahreszeiten-Abschnitte im Kreis des frühen Himmels dargestellt, wenn man die Hexagramme der zweizweidrittel Jahre, für jeden der 12 Jahreszeiten-Abschnitte getrennt, zusammengefaßt.)
Die Plätze der Hexagramme, die aus zwei gleichen Trigrammen bestehen, die Doppelzeichen, ergeben sich zwangsläufig aus der Struktur des I-Ging. Die Doppelzeichen führen auf "ihrem" 24er-Kreis die Hexagramme ihrer Paargruppe an. Frühlings-Anfänge und Sommer-Sonnenwenden sind durch vorwiegend zum Trigramm Himmel (drei Yang-Linien) gerichtete Geraden dargestellt, Winter-Anfänge und Winter-Sonnenwenden durch zum Trigramm Erde (3 Yin-Linien) gerichtete Geraden - Sommer und Wärme sind Yang, Winter und Kälte Yin. Frühlings- und Winter-Anfang schließen 9 Monate, nämlich die Vegetationsperiode, Sommer- und Winter-Sonnenwende 6 Monate, nämlich den Sonnenzyklus ein. Es gibt noch weitere "Beweise" für die Richtigkeit meiner Zuordnung der 64 Hexagramme zu den 24 Solarperioden, wie sie aus Tabelle 1 unten hervorgeht. Dazu gehören auch die Unterschiede in der Verteilung der Trigramme auf die zweizweidrittel Jahre, welche die 64 Hexagramme darstellen. Die Trigramme Himmel und Erde treten z.B. im ersten Jahr in 20 Hexagrammen auf, im zweiten Jahr in 10 und im dritten unvollständigen Jahr überhaupt nicht mehr.(Summe aus der Anzahl der Hexagramme mit dem Trigramm Himmel sowie der Anzahl der Hexagramme mit dem Trigramm Erde.)Die Anzahl der Hexagramme mit den Trigrammen Wasser bzw. Feuer beträgt in jedem Jahr 10. Himmel und Erde gelten als die großen, Wasser und Feuer als die kleinen Eltern. In beiden Fällen wird das Zehner-System betont. Natürlich werden hier auch noch andere Dinge beschrieben oder vielleicht auch beschworen. Hier ist die Phantasie des Lesers gefragt. Ein Hexagramm kann z.B. auch für ein Jahr stehen. Feuer steht u.a. für Geist, Wasser für Emotionen. Auf dem dritten unvollständigen 24er-Kreis überwiegen die Hexagramme mit dem Trigramm Feuer gegenüber den Hexagrammen mit dem Trigramm Wasser.
Anhang:  Solarperioden 1/2; 7/8; 13/14; 19/20 Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden - die erhaltenden Kräfte des Kosmos: Solarperioden 3/4; 9/10; 15/16; 21/22 Jahreszeiten-Ausklänge - die auflösenden Kräfte des Kosmos:Solarperioden 5/6; 11/12; 17/18; 23/24 Siehe auch jotinshaikus.de vom 07.12.07. Dort wird die Bedeutung von Hexagramm 21 im Jahresverlauf näher erläutert. 
|
III) Das Mawangdui I-Ging (Dieser Aufsatz ist in dem Buch "Das Dreifaltige Himmelszelt im Entschlüsselten I-Ging nicht enthalten.) 1. Alter des '''Mawangdui I-Ging''' im Vergleich zu dem des herkömmlichem I-Ging Die herkömmliche Version des I-Ging ist die des sogenannten Textus receptus. Sie ist aus der Tang Dynastie (618-906) überliefert. Etwa 10 Prozent hiervon sind ebenfalls aus der Zeit um Christi Geburt auf uns gekommen. Diese letzteren Texte waren in Steintafeln gemeißelt, die bei kriegerischen Auseinandersetzungen zerstört wurden. Die früheste überlieferte Version des I-Ging ist Jahrhunderte älter. Sie wurde 1973 in einem Grab entdeckt, das 168 v. Chr. geschlossen wurde, und ist unter dem Namen Mawangdui I-Ging bekannt. 2. Struktur des Mawangdui I-Ging im Vergleich zu der des Textus receptus Wie unterscheidet sich die Struktur des Mawangdui I-Ging von der des herkömmlichen I-Ging, des Textus receptus: Im herkömmlichen I-Ging geht jedes Hexagramm einer geraden Ordungszahl aus dem Hexagramm der vorhergehenden ungeraden Ordnungszahl hervor, indem sich seine Struktur umgekehrt und seine Bedeutung bis zur Gegenposition verändert. Diese oder auch eine andere Art der Paarbildung zwischen zwei aufeinanderfolgenden Hexagrammen ist im Mawangdui I-Ging nicht gegeben. Die Reihenfolge der Hexagramme ist außerdem von der des herkömmlichen I-Ging verschieden. Die Hexagramme sind im Mawangdui I-Ging systematisch geordnet. Bei den ersten 8 Hexagrammen nimmt das Trigramm Himmel den oberen Platz ein, bei den zweiten 8 Hexagrammen das Trigramm Berg. (Jedes Hexagramm besteht bekanntlich aus zwei Trigrammen; ein Trigramm aus drei Yin- bzw. Yang-Linien.) Insgesamt gibt es 8 solcher Gruppen entsprechend der Gesamtzahl von 64 Hexagrammen. In den Hexagrammen jeder Gruppe sind alle 8 Trigramme vertreten. Jeweils ein Hexagramm, das aus zwei gleichen Trigrammen besteht – ein sogenanntes Doppelzeichen – führt eine Achtergruppe von Hexagrammen an, wobei das obere Trigramm innerhalb einer Gruppe das gleiche bleibt und das untere Trigramm nach einer bestimmten Abfolge wechselt, so wie das aus den folgenden Abbildungen der Trigramme und Hexagramme hervorgeht. Die Abfolge der unteren Trigramme bleibt in allen 8 Gruppen bestehen, ist aber von der der oberen Trigramme verschieden: Die 8 Trigramme; ihre Reihenfolge oben in den Mawangdui-Hexagrammen: 
Die 8 Trigramme; ihre Reihenfolge unten in den Mawangdui-Hexagrammen: 
Hexagramme im Mawangdui I-Ging; die erste Achtergruppe: 

Die Ordnungszahlen über den Hexagrammen sind diejenigen des Mawangdui I-Ging, unter den Hexagrammen die des herkömmlichen I-Ging, desgleichen auch die angegebenen Namen. Die Hexagramm-Namen Song, Tongren und Gou stimmen in beiden I-Ging Versionen überein. Das Hexagramm mit der Ordnungszahl 2 im Mawangdui I-Ging ist dasjenige mit der Ordnungszahl 12 im herkömmlichen I-Ging, das mit der Ordnungszahl 3 dasjenige mit der Ordnungszahl 33 usw. 3. Texte des Mawangdui I-Ging im Vergleich zu denen des Textus receptus Die Hexagramm-Texte des Mawangdui I-Ging verdienen Aufmerksamkeit. Sie sind in diesem Aufsatz hier auf die Ordnungszahlen der Hexagramme aus dem Textus receptus bezogen. Nach Dominque Hertzer unterscheidet sich ungefähr ein Viertel des gesamten Textes des Mawangdui I-Ging von der überlieferten Version des Textus receptus. (Dominque Hertzer: „Das alte und das neue Yijing“, S. 185 Eugen Diederichs Verlag, München 1996. Der Textus receptus zeigt nach ihren Untersuchungen „eine höhere Abstraktionsebene, während das Mawangdui I-Ging einen konkreten Sachverhalt als Ausgangspunkt wählt.“ Dominque Hertzer: „Das alte und das neue Yijing“, S. 197. Diese konkreten Sachverhalte sind vielfach Opfer zu bestimmten Terminen im Jahr, aber auch Sternbilder, Mondphasen und Begebenheiten, die als bedeutend angesehen wurden. 3.1 Hinweise auf Jahreszeiten im Mawangdui I-Ging In Texten zu einzelnen Hexagrammen des Mawangdui I-Ging sind außerdem die Jahreszeiten und Solarperioden konkreter beschrieben als im Textus receptus. Die Betonung der Zahl 10, wie sie im I-Ging mehrfach vorliegt, läßt sich u. a. damit erklären, dass, „... durch die Abfolge der ersten 10 Zahlen ... der Schöpfungsprozeß des Kosmos selbst versinnbildlicht wird.“ Dominque Hertzer: „Das alte und das neue Yijing“, S. 117.
Die Orakel-Entscheidungen sind im Mawangdui I-Ging fast immer die gleichen wie im Textus receptus. Dominque Hertzer: „Das Mawangdui Yijing“, S. 178, Eugen Diederichs Verlag München 1996. Die schöpferischen, erhaltenden und auflösenden Kräfte, welche den einzelnen Hexagrammen zugeordnet sind, sind also im Mawangdui I-Ging praktisch die gleichen wie im Textus receptus. -3.2 Die Jahreszeiten im Mawangdui I-Ging und im Textus receptus Die Hexagramme 12) Die Stockung, 36) Die Verfinsterung des Lichts und 60) Die Beschränkung werden in von mir der Solarperiode 12) Große Hitze zugeordnet. Dies ist der Zeitraum vom 23. Juli bis 7. August. Im Textus receptus lautet der Text nach Richard Wilhelm zu Hexagramm 60) Die Beschränkung: „Das Urteil: Beschränkung. Gelingen. Bittere Beschränkung darf man nicht beharrlich üben.“ Der entsprechende Mawangdui Text lautet: „Zur Festzeit wird ein Opfer dargebracht, sind Bäume und Pflanzen zur Festzeit vertrocknet, kann man es nicht bestimmen (oder: beständig sein). Dominque Hertzer: „Das Mawangdui Yijing“, S. 128. Der Mawangdui Text zu Hexagramm 60 beschreibt hier also konkreter die Solarperiode 12) Große Hitze als der Textus receptus. Der Solarperiode 3, die vom 6. bis 20. März andauert, wurden von mir die Hexagramme 3) Die Anfangsschwierigkeit, 27) Die Ernährung und 51) Das Erregende, die Erschütterung, der Donner zugeordnet. Das Urteil zu Hexagramm 3 des Textus receptus lautet bei Richard Wilhelm: „Das Urteil: Die Anfangsschwierigkeit wirkt erhabenes Gelingen ...“ Im Mawangdui I-Ging heißt es zu diesem Hexagramm, das dort die Nr. 23 hat: „Bei Durchbruchsschwierigkeiten ist ein großes Opfer darzubringen von vorteilhafter Bestimmung. ...“ Es handelt sich dabei, wie Dominique Hertzer erläutert, ursprünglich um die „Durchbruchsschwierigkeiten einer jungen Pflanze oder eines jungen Baumes, wie sie zu Beginn ihrer Wachstumsphase, also um Frühlingsbeginn – bei dem Durchbruch durch die Erde entstehen.“ Dominque Hertzer: „Das Mawangdui Yijing“, S. 137. Zu Hexagramm 51) Das Erregende, Das Erschüttern, der Donner,. das nach 4 ebenfalls der Solarperiode 3 im März zugeordnet ist, lautet der entsprechende Text des Textus receptus bei Richard Wilhelm: „Das Urteil: Das Erschüttern bringt Gelingen. Das Erschüttern kommt: Hu, Hu! lachende Worte: Ha, Ha! Das Erschüttern erschreckt 100 Meilen, und er läßt nicht Opferlöffel und Kelch fallen.“ Im Mawangdui I-Ging aber lautet der Text zu diesem Hexagramm: „Zum Frühlingserwachen bringt man ein Opfer dar. Der Frühlingsbeginn kommt bei Neumond, ( ) spricht man „ya-ya“, der Frühlingsbeginn wird überall verehrt, man vergißt nicht den goldenen Opferlöffel und das Opferfleisch.“ Dominque Hertzer: „Das Mawangdui Yijing“, S. 147. Aus dem Bereich der Natur wird diesem Hexagramm nach Hertzer das Bild des Donners und des Gewitters zugeordnet. Im Text zur zweiten Linie dieses Hexagramms ist auch von einem Gewitter die Rede. Nach der mythologischen Vorstellung Altchinas stieg der Donner zur Frühlings-Tagundnachtgleiche zum Himmel empor, nachdem er den Winter in der Erde verbracht hatte. Die Solarperiode 3 endet einen Tag vor der Frühlings-Tagundnachtgleiche. Die Beziehungen zwischen den Hexagrammen 3 und 51 und der von mir zugeordneten Solarperiode 3 im März sind nach dem Mawangdui I-Ging eindeutiger als nach dem Textus receptus. Hexagramm 29) Das Abgründige, das Wasser wurde von mir der Solarperiode 5 (5.-19. April zugeordnet. Im Mawangdui I-Ging ist in dem Text zu diesem Hexagramm (hier Hexagramm 17) von dem Herz einer Schwalbe als Opfer die Rede. Das Verhalten der Schwalben wurde aber mit den Tagundnachtgleichen in Verbindung gebracht. Zur Herbst-Tagundnachtgleiche ziehen sie sich nach mythologischer Vorstellung in ihre Verstecke im Meer zurück, zur Frühlings-Tagundnachtgleiche aber kehren sie zurück. (Die Bauern-Kalender wußten allerdings, daß sie nur hin- und herfliegen.) Das Opfer eines Schwalbenherzens war also nur zu oder nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche bis zum Herbst möglich. Die erste Aprilhälfte scheint hierfür kein schlechter Zeitpunkt. Hexagramm 16 wurde von mir der Solarperiode 16) Herbst-Tagundnachtgleiche, zugeordnet. Im Mawangdui I-Ging ist im Text zu diesem Hexagramm von Überfluß die Rede, der von Hertzer mit vollen Getreidekammern in Verbindung gebracht wird, die sich aus der Verbindung der beiden Trigramme Donner (mit Regen) über der Erde ergeben. Dominque Hertzer: „Das Mawangdui Yijing“, S. 156. Im Herbst wird die Ernte eingebracht. Die Solarperiode 14) Hitze endet, wurde von mir u.a. Hexagramm 14, dem weiblichen Partner von Hexagramm 13 zugeordnet, das mit der Solarperiode 13) Herbst-Anfang verknüpft ist. Im Textus receptus heißt es bei Wilhelm zu Hexagramm 14: „Das Urteil: Der Besitz von Großem: Erhabenes Gelingen.“ Der Mawangdui Text zu diesem Hexagramm lautet: „Der große Besitz (oder eine reichhaltige Ernte), man bringt ein großes Opfer dar.“ Auch hier verrät der Mawangdui-Text, in welcher Jahreszeit Hexagramm 14 am ehesten angesiedelt ist. Dominque Hertzer: „Das Mawangdui Yijing“, S. 263. Es gibt noch weitere Hexagramm Texte nach dem Mawangdui I-Ging mit Hinweisen darauf, welcher Jahreszeit sie am ehesten entsprechen, - Hinweise, die im Textus receptus fehlen. Die genannten Zusammenhänge zwischen Hexagrammen und Solarperioden bestätigen einmal, daß das I-Ging ursprünglich ein Kalender von großer Bedeutung war, zum anderen vermehren sie die Belege dafür, daß die Zuordnung der Hexagramme zu den Solarperioden, wie sie von mir vorgenommen wurde, die gleiche ist, wie sie auch dem I-Ging zugrunde liegt. 3.3 Schlußfolgerungen
Nach Hertzer lassen sich drei verschiedene Ebenen der Wahrsagung unterscheiden: „Die unterste Ebene kann allein durch Hinschauen wahrgenommen werden und bezieht sich ausschließlich auf die Symbolik der Tri- und Hexagramme. Die folgende Ebene ist dem Bereich der Zahlen zugeordnet, welche ... auch die Übertragung der Zahlen auf die kosmischen Phänomene umfaßt. ... Auf der obersten Ebene gilt es nun die Wirkkraft und Bedeutung der einzelnen Linie wie des gesamten Hexagramms zu verstehen und miteinander in Verbindung zu setzen; sie repräsentiert gewissermaßen die philosophische Ebene des I-Ging. ...“ Dominque Hertzer: „Das alte und das neue Yijing“, S. 197. Durch die Aufdeckung der Struktur des I-Ging in meinem Buch "Das Dreifaltige Himmelszelt im Entschlüsselten I-Ging" ist die unterste Ebene der Wahrsagung nicht betroffen, wohl aber die zweite und dritte. Die Fragen nach der Zukunft erfahren hierdurch eine andere Antwort. Zusammenfassung: In dem Aufsatz über das Mawangdui I-Ging werden das Jahrhunderte ältere Mawangdui I-Ging und das herkömmliche I-Ging, auch als Textus receptus bezeichnet, in Bezug auf Alter, Struktur und Text miteinander verglichen. Im Mawangdui I-Ging werden die Jahreszeiten stärker betont und damit auch der Charakter des I-Ging als Kalender.
|